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U006   Seniorenuniversität: Bayern 1818-1918: Verfassungen und Revolutionen

Beginn Mi., 09.10.2019, 16:00 - 17:30 Uhr
Kursgebühr 20,00 €
Dauer 3x
Kursleitung Prof. Dr. Rainer Leng

2018 war ein doppeltes Jubiläumsjahr: 1818 erließ Maximilian I. Joseph eine Verfassung für sein Königreich Bayern, die den Bürgern erstmals Grundrechte und eine gewählte Vertretung versprach. Damit legte er die Grundlagen Bayerns als Verfassungsstaat, mit dem sich auch die Franken anfreunden konnten. Das Jahr 1918 brachte dann das Ende der wittelsbachischen Herrschaft, eine Revolution und einen Freistaat Bayern, in dem erstmals das bayerische Volk der Souverän war und nach modernen demokratischen Vorstellungen wählen durfte. Für Mainfranken bedeutete das revolutionäre "lange 19. Jahrhundert"eine besonders wechselhafte Neukonfigurierung staatlicher und kirchlicher Ordnungsvorstellungen: Aus einem ehemals selbstständigen katholischen Fürstbistum wurde ein integraler Bestandteil zunächst einer konstitutionellen Monarchie und dann eines demokratischen Verfassungsstaates.
1. Die bayerische Verfassung von 1818. Von der absoluten Monarchie zum Verfassungsstaat
Mit der von König Maximilian I. Joseph am 26. Mai 1818 erlassenen bayerischen Verfassung band sich der Monarch an die von ihm erlassenen Gesetze. Aus Untertanen wurden Bürger, die sich auf zahlreiche Grundrechte berufen konnten. Eine Ständeversammlung wurde einberufen, deren gewählte Abgeordnete in beschränktem Umfang politische Mitwirkungsmöglichkeiten besaßen. Damit wurde Bayern zum Verfassungsstaat. Der Vortrag zeigt die Hintergründe dieser Entwicklung auf und führt in die erste bayerische Verfassung ein. Wie modern war sie wirklich im Vergleich zu den Verhältnissen des 19. Jahrhunderts und wo liegen deutliche Unterschiede zu einem heutigen Verfassungsverständnis?
2. Mainfranken im bayerischen Verfassungsstaat. Die Gaibacher Konstitutionssäule als Zentrum des Konstitutionalismus
Mainfranken galt als Hochburg eines liberalen Verfassungs-gedankens. Denn die Verfassung versprach gleiche Rechte und Sicherheiten für alle Bürger des neuen bayerischen Staates, egal, ob sie schon seit Jahrhunderten unter wittelsbachischer Herrschaft standen oder erst in den letzten Jahren als "Neubayern" zur Monarchie gekommen waren. Ein besonderer Exponent des Verfassungsgedankens war Graf Franz Erwein von Schönborn, der Nahe seines Schlosses in Gaibach ließ er das erste partikularstaatliche Verfassungsmonument Deutschlands errichten ließ, die Gaibacher Konstitutionssäule. Der Vortrag beleuchtet das Verhältnis des ehemals reichsunmittelbaren Grafen zum bayerischen Königtum, zeigt die Beziehungen Schönborns zum Kronprinzen Ludwig I. und zu Leo von Klenze, dem Architekten der Säule. Behandelt werden auch die jährlichen Verfassungsfeiern in Gaibach, von der Grundsteinlegung 1821 bis zum "Gaibacher Fest" von 1832, das für einen der Beteiligten, den Würzburger Bürgermeister Wilhelm Joseph Behr, mit einem Hochverratsprozess endete.
3. Die Revolution von 1918 und der Weg des Freistaates in die Demokratie
Kriegsmüdigkeit und schlechte Versorgungslage hatten das Vertrauen in die bestehende Ordnung erschüttert. Im November 1918 rief Kurt Eisner im München den Freistaat Bayern aus. Nach über 700 Jahren endete die Herrschaft der Wittelsbacher. In Würzburg und anderen fränkischen Städten übernahmen Arbeiter- und Soldatenräte die vorläufige Regierung. Der Vortrag beschäftigt sich der ersten friedlichen Phase der Revolution und der folgenden Radikalisierung, an deren Ende die teilweise blutige Niederschlagung der Räterepublik, aber auch eine neue Verfassung stand, die den Freistaat zu einer parlamentarischen Demokratie machte.
Literatur zur Vorbereitung bzw. Weiterbeschäftigung:
200 Jahre Franken in Bayern 1806 bis 2006, Museum Industriekultur Nürnberg, Nürnberg 1989 - BARTELSBERGER, RICHARD: Franz Erwein Graf von Schönborn-Wiesentheid. Ein Aristokrat als Verfassungs- und Staatspatriot im deutschen Vormärz, Jahrbuch für fränkische Landesforschung 1991, S. 123-138 TREML, MANFRED: Geschichte des modernen Bayern: Königreich und Freistaat (Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit), München 3. Aufl. 2006 - TREML, MANFRED: Verfassungsgeschichte visuell - der bayerische Frühkonstitutionalismus in Dokumenten, Bildern und Realien, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 152 (2016), S. 29-80 - WEIGAND, KATHARINA: Gaibach. Eine Jubelfeier für die Bayerische Verfassung von 1818, in: Schmid, Alois (Hg.): Schauplätze der Geschichte in Bayern, München 2003, S. 291-308 - WENZEL, ALFONS: Bayerische Verfassungsurkunden, Stamsried, 4. Auflage 2002 - Wittelsbach und Bayern. Krone und Verfassung, König Max I. Joseph und der neue Staat, Bd. III/2, Völkerkundemuseum München 1980 - ZIMMERMANN, LUDWIG: Die Einheits- und Freiheitsbewegung und die Revolution von 1848 in Franken (Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte IX,9), Würzburg 1951 -BOSL, KARL (Hg.): Bayern im Umbruch. Die Revolution von 1918, ihre Voraussetzungen, ihr Verlauf und ihre Folgen, München 1969 - GRAU, BERNHARD: Kurt Eisner 1867-1919. Eine Biographie, München 2001.



Kurs abgeschlossen

Kursort

Sparkassen-Pavillon Bad Kissingen
von-Hessing-Str. 10
97688 Bad Kissingen

Termine

Datum
09.10.2019
Uhrzeit
16:00 - 17:30 Uhr
Ort
von-Hessing-Str. 10, Sparkassen-Pavillon Bad Kissingen
Datum
12.10.2019
Uhrzeit
16:00 - 17:30 Uhr
Ort
von-Hessing-Str. 10, Sparkassen-Pavillon Bad Kissingen
Datum
16.10.2019
Uhrzeit
16:00 - 17:30 Uhr
Ort
von-Hessing-Str. 10, Sparkassen-Pavillon Bad Kissingen