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U030   Seniorenuniversität: Hat Europas kulturelles Erbe noch eine Zukunft? Die postkoloniale Grundsatzkritik der Western Culture, ihre Motive und Folgen


Unter Vorbehalt der jeweils geltenden Coronabestimmungen können die Termine und Daten variieren.


Beginn Montag, 11. Juli, 16.00 - 17.30 Uhr
Mittwoch, 13. Juli, 16.00 - 17.30 Uhr
Montag, 18. Juli 16.00 - 17.30 Uhr
Kursgebühr Barzahlung an der Abendkasse: 20 € für die Vortragsreihe - 10 € für einen einzelnen Vortrag
Dauer 3x
Kursleitung Prof. Dr.Wolfgang Riedel
Bemerkungen 20 € für einen kompletten Vorlesungsblock - Barzahlung an der Kasse vor Ort.
10€ für einen Einzelvortrag - Barzahlung an der Kasse vor Ort

Ein Gespenst geht um im heutigen Europa und im Zeitgeist des gesamten ‚Westens’ – auch hierzulande. Sein Herkunfts- und primärer Wirkungsort ist die Hochkultur: Universitäten (hier speziell die historischen Geisteswissenschaften), öffentliche Kulturinstitutionen (Museen, Theater und ähnliche Einrichtungen) und längst auch Presse und Medien. Die Meinungsführer sind in der Regel Akademiker, zumeist mit geistes- oder kulturwissenschaftlichem Hintergrund. Die Geisteshaltung selbst ist durchaus vielschichtig und besitzt auch mehrere Namen, die jeweils schnell bekannt wurden: „Politische Korrektheit“, „Cancel Culture“, zuletzt „Wokeism“ (Erwachtsein). Ihre Motive und Ursprünge sind unbedingt integer: Minderheitenschutz, Diskriminierungsbekämpfung, Aufarbeitung historischen Unrechts. Die Auswirkungen jedoch sind – unvermeidliche Dialektik allen sozialen und historischen Geschehens! – von problematischen und destruktiven Aspekten nicht frei. Denn es zeigen sich auch Säuberungstendenzen, die geeignet sind, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Man muss also darüber reden, und zwar streitig. Ist, so die Hauptfrage, die westliche Kultur, und zwar bis in Literatur und Künste, Philosophie und Wissenschaften hinein, wegen der Gewalt- und Unrechtsgeschichte des Kolonialismus eine in toto zu verwerfende? Sind die vom Rassismusvorwurf heute geforderten Denkmalstürze von Platon bis Hegel, Newton bis Humboldt, Bach bis Beethoven wirklich gerechtfertigt? Waren Kunstrevolutionen wie Kubismus und Expressionismus im Rückblick nichts als Ausdrucksformen europäischer Herrenmentalität („White Supremacy“)? Was wird angesichts dieses Großreinemachens an Erinnnerungswürdigem und Bewahrenswertem noch bleiben? Wie soll, wie kann angesichts eines solch generalisierten Kritikverlangens das kulturelle Erbe Europas noch in die globale Zukunft hinein vermittelt und überliefert werden?

Der Referent
Wolfgang Riedel, geb. 1952 in Mellrichstadt. 1972-1979 Studium der Germanistik und Geschichte, in Verbindung mit Philosophie, Psychologie und Kunstgeschichte. 1984 Promotion an der Julius-Maximilians-Würzburg, 1995 Habilitation an der Freien Universität Berlin. 1998 Berufung an die JMU Würzburg. 2009-2018 Vizepräsident der JMU. Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften München. Bis 2019 Ordinarius, seither Senior Professor für neuere deutsche Literatur- und Ideengeschichte an der JMU.

Literatur zur Vorbereitung bzw. Weiterbeschäftigung:
Dag Nikolaus Hasse: Was ist europäisch? Zur Überwindung kolonialer und romantischer Denkformen. Stuttgart: Reclam 2021
Thomas Bauer: Die Vereindeutigung der Welt. Über den Verlust an Mehrdeutigkeit und Vielfalt. Stuttgart: Reclam 2018 (162021)
Wolfgang Riedel: Ästhetische Distanz. Auch über Sublimierungsverluste in den Literaturwissenschaften. Abschiedsvorlesung. Würzburg: Königshausen & Neumann 2019



Kurs abgeschlossen

Kursort

Hotel Frankenland, Bad Kissingen
Frühlingstraße 11
97688 Bad Kissingen


Termine

Datum
11.07.2022
Uhrzeit
16:00 - 17:30 Uhr
Ort
Frühlingstraße 11, Hotel Frankenland, Bad Kissingen
Datum
13.07.2022
Uhrzeit
16:00 - 17:30 Uhr
Ort
Frühlingstraße 11, Hotel Frankenland, Bad Kissingen
Datum
18.07.2022
Uhrzeit
16:00 - 17:30 Uhr
Ort
Frühlingstraße 11, Hotel Frankenland, Bad Kissingen