Lehmann, Kai
Das Buch „Hexen vor Gericht“ von Kai Lehmann ist von bedrückender Aktualität. Die Hexenprozesse, zu denen er und sein Team aus ganz Deutschland umfangreiches Belegmaterial zusammengetragen haben, spielt zwar im 18. Jahrhundert zur Zeit Luthers, aber wie heute sind Krisen, Angst und Massen- medien Triebfedern der Verunsicherung. Die Bevölkerung suchte nach Erklärungsmustern für Klimaver- änderungen, Pandemien, Kriege oder rätselhafte Todesfälle und glaubte mit den Hexen die Schuldigen dafür gefunden zu haben. Zugleich wussten Menschen diese Situation zu nutzen, um bspw. Erb- und Nachbarschaftsstreitigkeiten in ihrem Sinn zu lösen. Lehmann zeigt, wie zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert ein Tsunami der Hexenverfolgung über das christliche Europa und insbesondere über Deutschland hinweggefegt ist. Insgesamt sind dem Hexenwahn etwa 40.000 bis 60.000 Personen zum Opfer gefallen, vor allem Frauen.